Alte Blogartikel lesen und sich selbst fremd vorkommen

Alte Blogartikel lesen und sich selbst fremd vorkommen
Photo by Kaitlyn Baker / Unsplash

Manchmal scrolle ich durch meinen eigenen Blog und lande bei Artikeln, die ich vor 1 - 2 Jahren geschrieben habe. Eigentlich noch gar nicht so lange her. Und trotzdem fühlt es sich manchmal an, als hätte das jemand anderes geschrieben.

Ich weiß noch, dass ich den Text geschrieben habe. Ich erinnere mich grob an die Situation, an den Gedanken dahinter. Aber das Gefühl beim Lesen ist ein anderes. Ich denke mir dann oft, dass ich das heute anders formulieren würde. Oder dass mich das Thema heute gar nicht mehr so stark beschäftigt.

Genau da merke ich, wie sehr ein Blog wie eine Art Tagebuch ist. Auch wenn es meinen Blog erst seit Ende 2023 gibt, ist in dieser Zeit schon erstaunlich viel passiert. Nicht unbedingt im Außen, aber im Kopf. Gedanken verschieben sich. Prioritäten ändern sich. Dinge, die sich damals wichtig angefühlt haben, wirken heute kleiner. Oder einfach weiter weg.

Beim Schreiben habe ich mir selten Gedanken darüber gemacht, wie der Text später wirkt. Ich habe geschrieben, was mich in dem Moment beschäftigt hat. Oft spontan, manchmal etwas unsortiert. Und genau das macht es heute spannend, diese Artikel wieder zu lesen.

Ich erkenne mich wieder, aber nicht komplett. Manche Sätze fühlen sich fremd an, andere treffen mich genau so wie damals. Ich sehe, wo ich unsicher war. Wo ich Dinge hinterfragt habe. Und auch, wo ich mir ziemlich sicher war, ohne wirklich zu wissen, warum.

Ein Blog hält diese Momente fest. Nicht perfekt, nicht gefiltert. Einfach so, wie sie waren. Und auch wenn der Zeitraum noch gar nicht so groß ist, reicht er aus, um Veränderungen sichtbar zu machen. Kleine Verschiebungen im Denken, im Schreiben, im Blick auf bestimmte Themen.

Ich glaube, man unterschätzt, wie schnell sich Dinge verändern. Im Alltag merkt man das kaum. Man lebt von Woche zu Woche, von To-do zu To-do. Erst wenn man alte Texte liest, fällt auf, dass man sich bewegt hat. Dass man nicht stehen geblieben ist.

Vielleicht ist genau das der größte Wert eines Blogs für mich. Nicht, dass jemand ihn liest. Nicht, dass er wächst. Sondern dass ich später nachschauen kann, was mich zu einem bestimmten Zeitpunkt beschäftigt hat. Auch dann, wenn es nur ein paar Monate zurückliegt.

Und ja, es ist ein komisches Gefühl, sich selbst fremd vorzukommen. Aber irgendwie auch ein gutes. Es zeigt mir, dass Schreiben wirkt. Nicht nach außen, sondern nach innen.